Voice 4 U im Parktheater im Kurhaus Göggingen / Augsburg

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Neblig und trüb sind die Tage in diesem November des Jahres 2011. Der Winter steht vor der Türe. Es riecht schon verdächtig nach Schnee. Die Zeit zum Kuscheln mit Kerzenschein und guter Musik ist gekommen. Alle guten Dinge sind eben nun mal „drei“. Die Antwort auf die „guten Drei“ ist definitiv:  Voice 4 U.

Candle – Light Konzert, so steht es im Programm des Kurhauses Göggingen geschrieben. Was mag das wohl sein? Schnell wird klar, heute Abend ist Kuschelkurs gepaart mit Romantik groß geschrieben. Dunkelroter Samt wohin das Auge reicht, die Bühne ist großzügig damit ausgelegt. Sonst so unästhetisch anzusehende Kabel und Verstärkerboxen sind verhüllt, dazwischen gesellen sich zahlreiche 5-armige Leuchter mit weißen Kerzen. Im Hintergrund thronen zwei mächtige Kerzenständer mit breiten Kerzen bestückt majestätisch an der Bühnenwand. Allein bei diesem Anblick senkt sich der Kreislauf, der Blutdruck pocht etwas langsamer als sonst, das Gemüt wird ruhig und die Stimmung fast andachtsvoll.

Voice 4 UDie Zuschauer um mich herum beginnen die Kerzen zu zählen. So lässt sich die Zeit bis zum Konzertbeginn kreativ überbrücken. Bei geratenen 70 und gezählten 86 Kerzen liegt das Ergebnis, doch zu einer Einigung  kommt man nicht, denn schon betritt Pianist Reinhold Ohmayer die Bühne und  setzt zu einer Underscoremusik an. Eine Kinderstimme vom Band erzählt, dass dessen Eltern in einem Konzert von Voice 4 U sind. Seine Mutter sagt: Pralinen und Musik gehören zusammen und tun wohl gleichermaßen der Seele gut. Während das Kind also geräuschvoll die Pralinen zu Hause vertilgt sitzen die Eltern im Konzert. Die Erzählung endet damit, dass die Mutter die Konzerte bevorzugt, nicht nur unter dem Aspekt „dass man von Voice 4 U nicht dick wird“…

Nachdem nun auch Gitarrist Adrian Winkler, Bassist Harry Cocetti, sowie Schlagzeuger Tino Mende ihre Plätze eingenommen haben setzen sie zu den ersten Takten von „My endless love“ an. Sängerin Regine Sauter und Sänger Rico Klemm betreten die Bühne und leiten sanft den Auftakt des Konzertes ein. Nach Songs wie „Show me heaven“ oder „Who wants to live forever” folgen „Dir gehört mein Herz“ aus dem Musical „Tarzan“ von Sir. Phil Collins. Das Lied scheint ein Aufruf für die Liebe zu sein. Hier und da sieht man bereits junge Pärchen verliebt kuscheln. Dazwischen erkennt man Pärchen, die wohl schon recht lange einander verbunden sind und deren Hände sich beinahe schüchtern suchen um die Finger ineinander zu verschlingen. Es folgen Lovesongs wie Bryan Adams’  „Everything I do“, Nino de Angelo’s „Jenseits von Eden“… „The Prayer“, „Nella Fantasia“,  „Boote in der Nacht“ oder „Sie sieht mich nicht“. Das krönende Finale des ersten Konzertteiles liefert das Hauptthema des Musicals „Das Phantom der Oper“.

Irgendwie mag man als Besucher so gar nicht über das Gehörte und Gesehene urteilen. Diese sagenhaft entspannte Atmosphäre ist einfach noch zu präsent um diese mit  Reden zu zerstören. Was Voice 4 U hier präsentiert ist Romantik pur, Gefühl vom Feinsten, Emotionen aus der Tiefe der Seele und das alles mit einer ehrlichen und offenen Herzlichkeit und Leidenschaft vorgetragen, wie man sie in der heutigen schnelllebigen Gesellschaft wie eine Nadel im Heuhaufen suchen muss. Hier finden sich Lovesongs aus Rock und Pop aber auch aus Musicals ein, die sich am Ende zu einem ausgeglichenen und harmonischen Programm zusammenfügen.

Man ist sich unschlüssig. Soll man mit den Eindrücken über die Sänger beginnen, oder doch mit den Musikern? Entscheiden wir uns nach der Reihenfolge der Auftritte.

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Pianist Reinhold Ohmayer leitet die Band mit einem unsichtbaren Faden. Kein dominantes Gestikulieren, kein wildes Nicken ist zu beobachten. Ein kurzer und fließender Blick nach oben, den Kopf meist noch gesenkt nehmen die Musiker seine Anweisungen wahr. Auch hier, Harmonie pur, Verstehen mit niedrigstem Austausch. Einfach wunderbar! Sein ausdrucksstarkes und gefühlvolles Spiel kommt besonders in Passagen zur Geltung, wenn lediglich sein Piano den Gesang begleitet. Gesanglich unterstützt der das Sängerduo als Chor mit seinen Musikerkollegen.

Die Gitarre von Adrian Winkler erklingt in dem Saal des Theaters unglaublich intensiv und warm. Sie erfüllt jede Ecke des Raumes, so hell und klar. Er beherrscht sein Instrument, lockt ihm ungeahnte Töne hervor und spielt dabei mit einer Hingabe, die den Gesang der Künstler betont und unterstreicht.

Harry Cocetti ist Herr der Basstöne. Hier und da huscht ihm ein Lächeln über das Gesicht, welches sich sonst hochkonzentriert Song für Song widmet. Die Leidenschaft zur Musik ist ihm anzumerken. Das oft so unterschätzte Instrument, der Bass, ist aus der Formation klar herauszufiltern und gibt dem Sound einen runden und vollen Klang.

Voice 4 UDas Tempo stets im Visier, den Rhythmus im Blut, die Verantwortung dass nichts lahmt, diese Aufgabe obliegt Drummer Tino Mende. An seinem E-Schlagzeug ist er der Chef des Taktes. Gerade in den etwas rockigeren Liedern spürt man den Drang nach Bewegung bei ihm. Und selbst in der Zugabe „Lean on me“ gibt er mit Hingabe das Tempo auf der Holztrommel vor.

Insgesamt kann man sagen, alle Musiker liefern eine konstante und hervorragende Leistung ab und beweisen dies in der Stimmigkeit ihres Zusammenspieles.

Auftakt des zweiten Konzertteiles bildet das Duett „I wanna know what love is“. Allzu gerne lässt man sich als Zuhörer sofort wieder in diesen unerklärlichen, entspannten Bann der Atmosphäre einhüllen. Nach den Celine Dion Songs „All coming back” und “Immortality”, folgten aus Dirty Dancing “She’s like the wind” und das berühmte “Time of my life”. Noch bevor „Ich gehör nur mir“ oder „Wenn ich tanzen will“ aus dem beliebtesten und erfolgreichsten Musical Deutschlands, „Elisabeth“, begeistern konnte, erfreuten sich die Zuhörer unter andrem an Songs wie  “Only you” oder  „Just a Gigolo“.

Nebst den präsentierten Liedern schien es, dass die beiden Sänger im zweiten Konzertteil erst so richtig warm gelaufen wären, denn nun banden sie intensiv und leidenschaftlich auch schauspielerische Elemente ein. Dies wurde dankbar vom Publikum honoriert. Die beiden Sänger dürfen sich gut und gerne noch mehr Schauspiel zutrauen, es gibt nichts, was sie verstecken müssten und es lockert die gesamte Konzertsituation „szenisch“ richtig positiv auf.

Regine Sauter, Gründerin von Voice 4 U, ist der einzige weibliche Part der Band. Im ersten Eindruck besticht  sie durch ihr elegantes Erscheinungsbild. Angepasst reiht sie sich in die Riege der fesch gekleideten Männer mit einem langen, schwarzen, enganliegenden Kleid ein. Mit ihrem gewinnenden Lächeln heimst sie im Nu die Sympathien der Besucher ein und überzeugt nicht weniger durch ihre sanfte, ausdrucksstarke und überzeugende Stimme. Es sind vor allem Songs von Celine Dion, die ihr ganz besonders gut liegen und gut zu Gesicht stehen. Einer der ganz großen Höhepunkte des Abends dürfte wohl „Immortality“ gewesen sein. Sie ist die Königin der Balladen, auch wenn ihre Up-Tempo Nummern ebenfalls großen und berechtigten Beifall ernten. Ob nun im Solo oder im Duett mit Bühnenpartner Rico Klemm, sie besticht durch Klarheit, Ausdruck und viel Wärme in der Stimme. Die Songs sind wunderbar auf sie abgestimmt, so dass jedes Lied ein Highlight wird. Träumen pur und ohne Hindernisse, diese Frau verzaubert.

Voice 4 URico Klemm, ihr neuer Gesangspartner, steht ihr in nichts nach. Vor wenigen Monaten bestaunte er die Band selbst  noch als Zuhörer, wie er uns im Laufe des Konzertes verrät. Diese beiden Stimmen harmonieren in den Duetten, aber auch mit dem Chorgesang der Musiker ergibt es ein rundes und harmonisches Klangbild. Rico Klemm verfügt über eine Stimmgewalt, wo man sich fragen muss, weshalb dieser Sänger eigentlich ein Mikrofon in der Hand hält. Er könnte spielend ohne Hilfe das Parktheater bis in den kleinsten Winkel besingen. Wenn er seinen klassischen Bariton ausspielt, dann mag es einem die Haare vor Begeisterung aufstellen, so beeindruckend ist seine Stimmfarbe. Man will einfach mehr hören und sehen, denn in ihm steckt ein richtiger Entertainer. In den leisen Tönen wie beispielsweise in Nino de Angelos „Jenseits von Eden“ berührt seine Stimme. Er ist, wie man so schön sagt, vielseitig. Mit der Wahl des Sängers hat Voice 4 U einen beeindruckenden und sympatischen Sänger gefunden, den die Zuhörer ohne Umschweife in ihr Herz aufgenommen haben.

Als Zugaben gab es „All day long“, sowie „Lean on me“ in einer A-Capella-Version- ein letztes Highlight der kompletten Band. Die abschließende Hymne an die Musik John Miles’ „Music“ bewies, dieser stimmungsvolle und rundum gelungene Abend war wieder einmal viel zu rasch vergangen.

Auf der Homepage der Band können alle Konzerttermine entnommen werden. Wer also Voice 4 U noch nicht kennt, der sollte dies schleunigst ändern und einen Termin vormerken:

http://www.voice-4-u.com/index/index4.html

Ein ganz persönliches Wort ist mir an dieser Stelle wichtig: Die Sänger sind sich treu geblieben und haben ihre ganz persönlichen Interpretationen eingebracht. Als Zuhörer ist man oft geneigt, Vergleiche anzustellen, ob nun ein Song von Celine Dion, Nino de Angelo oder aus dem gesehenen Musical mit dem original Interpreten mithalten kann. Die Performances waren allesamt gelungen, überzeugend und zu keinem Zeitpunkt überzogen oder gar befremdlich.

Fazit: Bei Voice 4 U  bekommt der folgende Spruch eine wunderbare neue Bedeutung: „Musik drückt aus was nicht gesagt werden kann, aber worüber schweigen unmöglich ist.“

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Marina Christiana Bunk

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