Natürlich Blond auf der Jungen Bühne T3 in Lüneburg

Elle - Charlotte Ebel

Elle – Charlotte Ebel

Davon, dass blond nicht gleich dumm sein muss, überzeugten sich am 6. Mai 2016  in Lüneburg die Zuschauer im T3-Theater, dem jungen Theater Lüneburg, wo das Musical „Natürlich Blond“ in einer Inszenierung von Oliver Hennes vor ausverkauftem seine Premiere feierte. Der Inhalt wird den meisten Zuschauern und auch den Lesern dieser Seite aus dem in 2001 erschienenen Film bekannt sein: Elle Woods, Fashion interessiert, sexy und kichernd, absolut hervorragend gespielt von Charlotte Ebel, wird an dem College von ihrer großen Liebe Warner Huntington (Christopher Werner) verlassen, da dieser nun merkt, dass „die Zeit für was Ernsteres“ gekommen ist – sprich: Kein quietschiges Pink mehr, keine „Tussi“ mehr – lieber die seriös wirkende Vivienne Kensington (Selina Melchior), die sich später besser an seiner Seite im Senat machen würde. Elle glaubt aber an die große Liebe, folgt Werner von Malibu nach Harvard um Jura zu studieren, nachdem sie den Eignungstest bestanden hat. Sie nimmt sich vor, sich zu ändern, seriös zu werden und ihn somit wieder für sich zu gewinnen.

Emmett - Max Sellmer

Emmett – Max Sellmer

Der Anfang ist für Elle aber nicht so einfach, trotz ihrer drei Freundinnen vom College von Delta Nu Margot, Serena und Kate, gespielt von Stephanie Benze, Hannah Keymling und Manon Koop, die in Form eines römisches Chores, da es hier sich um eine „Tragödie“ handelt, immer wieder auftauchen, und sie im Geiste unterstützen. Auffällig mit Hund und Aufsehen erregenden Outfits, findet sie zuerst nicht so recht Anschluss und ihre Konkurrentin Vivienne macht sie lächerlich, lädt sie sie zu einer Kostümparty ein, die gar keine ist und nun steht Elle dort in ihrem Häschenkostüm. Dadurch lernt sie Emmett (Max Sellmer) näher kennen, dem sie ihr Herz ausschüttet und er macht ihr klar, dass sie etwas tun muss, lernen muss, um nicht nur gerade so zu bestehen, sondern um gut zu und vor allem ernstgenommen zu werden. Dass sie in Emmet irgendwann mehr sieht, als nur eine Freund, merkt Elle erst später. Nebenbei verhilft sie noch ihrer neu gefundenen Freundin, der Friseurin Paulette (Carina Chmilewski) dazu, dass diese den scharfen Postboten (Christian Iwert) durch den „Knick und Pop“, mit dem Frau jeden Mann rumgekommen kann, auf sich aufmerksam zu machen, wenn auch nicht gerade so, wie es geplant war.

Paulette Carina Chmilewski

Paulette – Carina Chmilewski

Auf der Bühne des T3 stehen keine professionellen Darsteller, sondern Menschen, die Lust am Theater spielen haben, aber dieses nur als Hobby angehen. Das Theater Lüneburg kooperiert mit der Leuphana Universität, so spielen dort zum Bespiel Rechtswissenschaft-, BWL- oder auch Digital-Mediastudenten. Charlotte Ebel hatte eine Ausbildung an einer Musicalschule in Hamburg angefangen, diese aber frühzeitig wieder verlassen. Den Wandel vom tussigen Blondchen zur kompetenten Anwältin nimmt man Charlotte absolut ab. Durch ihre hinreißende Mimik und ihren wunderbaren Gesang, ist man sofort Fan von ihr und sie steht z. B. Barbara Obermeier, die diese Rolle in Wien verkörperte, in nichts nach. Trotz minimalem Bühnenbild (Barbara Bloch), hat man nicht das Gefühl, dass etwas fehlt, schnell ist man in dem temporeichen Musical drin und man hat nur noch Augen für die Darsteller, so dass ein großes Bühnenbild gar nicht notwendig ist. So reicht es vollkommen, dass die Bühne sich auf Tisch, Stühle und ein Wand mit zwei Türen, auf die teilweise etwas projiziert wird, einen beleuchtbaren Boden und ein paar weitere kleine Kulissenteile beschränkt. Besonders positiv aufgefallen sind neben Charlotte noch Carina Chmilewski als Paulette, die herausragend singt und Max Sellmer als Emmett, dem man sofort ansieht, dass es ihm Spaß macht die Rolle zu verkörpern. Aber auch alle andern Darsteller des Stückes machen ihre Sache ausgezeichnet, Christopher Werner als etwas biederer Warner mit Anzug und Brille, Melina Pampoukidou u. a. als Chutnay mit quietsch-Stimme, Sarah Wittke als Sportkanone und unter Mordverdacht stehende Brooke, Christian Iwert als muskulöser Kyle, Liza Sofian als für die Frauen sich einsetzende Enid und Stefan Reinholdt als Rechtsanwalt und Dozent Callahan (die meisten haben noch kleine weitere Rollen).

 Christian Iwert - Charlotte Ebel - Christopher Werner

Christian Iwert – Charlotte Ebel – Christopher Werner

Die Musik unter der musikalischen Leitung von Svenja Huckle wird live von einer fünfköpfigen Band gespielt, die rechts neben der Bühne platziert ist, bestehend aus Timo Weege (Klavier), Jakob Prohn (Gitarre), Sarah Böckmann (Saxophon), Alex Heeger (Bass) und Moritz Konstantin (Schlagzeug).

Manchmal ist man im Vorfeld skeptisch, wenn man sich eine Laien-Produktion anschaut – in diesem Fall total unbegründet! Das Team ist klasse, motiviert, es wird ganz toll gesungen und geschauspielert, die etwa 2,5 Stunden gehen wie im Flug um. Wenige Karten gibt es noch für ein paar Termine bei RTL Tickets, auf der Seite des Theater Lüneburgs ist es leider schon ausverkauft.  Bleibt zu hoffen, dass es evtl. noch ein paar weitere Termine geben wird.

Ein Besuch auf der Internetseite des Theater Lüneburgs lohnt sich dennoch, bekommt man hier mit Bildern einen kleinen Einblick in das Stück.

Ebenfalls hat das studiMUSICAL Lüneburg auch eine Facebook-Seite, die einiges an Informationen enthält und eine Seite mit Interviews einiger Darsteller und einem Blog.

Alle Fotos: (c) Andreas Tamme

 

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