Schneegestöber im Capitol Theater in Düsseldorf

5_-Slavas-Snowshow-at-SouthbankKaum zu glauben, aber wahr! Das Clownstheater mit seiner Show „Slava’s Snowshow“ gastiert für eine Woche in NRW.

Wjatscheslaw Iwanowitsch Polunin, der sich einfach kurz „Slava“ nennt, gilt als einer der besten Clowns weltweit. Er, der Gründer des Clownstheaters Licedej, mit dem er schon vor mehr als 30 Jahren in Deutschland gastierte und später Teil des Cirque du Soleil wurde, erfüllte sich vor nunmehr 20 Jahren seinen Traum und erweckte seine „Snowshow“ zum Leben.

Wer nun mit der Vorstellung, eine Clownshow zu besuchen wie man sie im Zirkus findet, dorthin geht, hat weit gefehlt. Diese Show ist anders. Die Clowns erfüllen nicht die Erwartungen einer Zirkusvorstellung, wo sich sich gegenseitig verulken. Sie beschreiben den ernsthaften, verletzlichen, zeitweise gar nicht komischen Clown. Was nicht heißt, dass es auf der Bühne an Situationskomik fehlt.

Die Show beginnt eigentlich auch schon vor Einlass in den Saal. Im Foyer ist bereits beim Eintritt das heftige Geschnaufe einer alten Dampflok zu hören, was neugierig macht auf das, was sich später im Saal abspielen wird.

Nach einer kurzen Verspätung, die durch ein Kamerateam eines ansässigen Fernsehsenders verursacht wird, werden auch die Zuschauer eingelassen. Die Show ist gut besucht, wenn auch nicht ganz ausverkauft. Hier macht sich das erste Mal bemerkbar, dass Slava ein breites Publikum anzuziehen vermag. Beim Kind angefangen, bis hin zu älteren Herrschaften ist so ziemlich alles vertreten. Man staunt beim Hereinkommen nicht schlecht, dass der gesamte Boden bereits mit Papierschnipseln übersät ist. Die Bühne bedarf keiner großen Ausstattung. Lediglich große, blaue viereckige Matten, die wie wattierter Stoff aussehen, hängen in unterschiedlicher Höhe von der Decke. Aus einer ist ein Mond ausgeschnitten und der Rest mit kleinen Sternen bestickt. Der erste Clown (Slava) betritt, bekleidet mit einem großen, knallgelben Overall und ebenso knallroten Plüschpuschen, die farblich zu seiner roten Clownsnase passen, die Bühne. Die grauen Haare stehen ihm wirr vom Kopf ab. Im Hintergrund läuft Musik, die sich, bisweilen etwas zu laut, in einer großen Bandbreite von John Surman über Yello bis Carl Orff durch den ganzen Abend zieht.

Der einsame Clown auf der Bühne hat eigentlich mit dem Leben abschlossen und legt sich die Schlinge um den Hals um seinem Leben ein Ende zu setzen. Am Ende des schier nicht enden wollenden Seils, hängt dann ein anderer Clown, ebenfalls die Schlinge um den Hals. Gekleidet in einen grünen Mantel mit einem Hut auf dem Kopf, der an fliegende Hundeohren erinnert, hat auch er offensichtlich nichts mehr zu verlieren. Gemeinsam jedoch beschließen sie, noch einmal neu zu beginnen. Dabei begleitet werden sie von einer wilden Horde ebenfalls in grüne Mäntel gehüllt und mit diesen riesigen Hüten gekleideten weiteren Clowns, die sich alle kaum voneinander unterscheiden lassen.

Die ausdrucksstarken Gesten und pantomimischen Darstellungen der Mitwirkenden bedürfen auch keiner Worte, um dem Publikum den Fortgang ihrer kleinen Geschichten nahe zu bringen. Slava nimmt sie mit in seine Traumwelt. Er zeigt ihnen ein Schiff, das schwerem Sturm trotzt, lässt Planeten schweben, einem Mantel an einem Kleiderständer, haucht er scheinbar Leben ein. Es ist kurzweilig.

Aber auch das Publikum wird, ob nun freiwillig oder nicht in die Show eingezogen. So wird es vor der Pause komplett in ein großes Spinnennetz eingehüllt, aus dem es sich erst einmal befreien muss um in das Foyer entlassen werden zu können.
Beinahe übergangslos beginnt der 2. Teil. Die Clowns klettern über die Stuhlreihen, bewaffnet mit Regenschirmen und Wasserflaschen und machen auch nicht Halt davor diese zu benutzen. Die Zuschauer tragen es mit Fassung und haben offensichtlich viel Spaß daran.

Beim großen Finale schließlich entfacht sich von der Bühne in den Saal ein mächtiger Schneesturm, der tausende Papierschnipsel über den Zuschauern ausbreitet. Riesige Bälle und kleinere Luftballons werden hinterher geschickt, so das der lang anhaltende Applaus immer wieder stellenweise unterbrochen wird um die Bälle von einem Saalende an das andere zu schubsen. Dabei kann man beobachten, dass nicht nur die kleinen Zuschauer einen heiden Spaß an der Sache haben.

Der Zuschauerraum leert sich nur langsam. Auch wenn man vielleicht mit einer ganz anderen Erwartung in die Vorstellung geht, man wird auf jeden Fall positiv überrascht werden, wenn man bereit ist, sich auf diese Traumwelt und ein ganz andere Art von Clownereien einzustellen. Auf jeden Fall sehenswert.

Slava’s Snowshow ist noch bis zum 21.02.2016 im Capitol in Düsseldorf zu sehen.

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