Varieté LGBT – schillernde Unterhaltung in Dresden!

LaCage_05Wenn die Sonne untergeht und brave Bürger ins Bett verschwinden, geht im angesagtesten Travestie-Club der Cote d’Azur das Licht an. Hier präsentiert Clubbesitzer Georges seine Paradiesvögel – die „Cagelles“ den illustren Gästen. Mystische Figuren aus 1001 Nacht, eigenwillige Schönheiten direkt von der Reeperbahn und die große Zaza verzaubern allabendlich ihr Publikum.

Hinter der Bühne ist das Bild ein anderes: Albin alias Zaza plagt seinen Ehemann Georges mit Eifersucht und Starallüren, die auch unter den anderen „Cagelles“ für Unfrieden sorgen. Als wäre das nicht schon genug, taucht Georges Sohn Jean-Michel überraschend auf und verkündet seine Heiratspläne.

Dumm nur, dass der Vater seiner Auserwählten ausgerechnet jener erzkonservative Abgeordnete ist, der alle Travestie-Clubs schließen lassen will. Um das junge Glück nicht zu gefährden, entsteht schnell die größte Show, die das La Cage aux Folles je gesehen hat. Aus dem Nachtclub muss ein gutbürgerliches Heim werden, aus der Regenbogen-Familie das klassische Bild von „Vater-Mutter-Kind“. Jean-Michels Mutter wird eingeladen, der exzentrische Albin soll ins Hotel ziehen. Aber wie sagt man der von Eifersucht geplagten Diva, dass sie unerwünscht ist? Wie wird ein Nachtclub zum biederen Zuhause? Kann das alles überhaupt funktionieren?LaCage_11

Natürlich nicht! Was aber funktioniert, ist die Dresdner Inszenierung in Koproduktion mit dem Salzburger Landestheater, welche seit dem 29. Januar in der Staatsoperette zu sehen ist. Schrille, außergewöhnliche Kostüme und echte Persönlichkeiten machen den Abend zu einem großartigen Unterhaltungsprogramm für ein bunt gemischtes Publikum.

Dieter Landuris als Georges lässt den Zuschauer gedanklich ins schillernde Nachtleben der Côte d’Azur abtauchen. Charismatisch präsentiert er seine „Cagelles“ und stimmt auf eine ganz besondere Show ein. Dabei sind es vor allem die Kostüme von Conny Lüders, welche für den ersten Wow-Effekt sorgen. Von knallig bunten Federboas, über mystisch funkelnde Gewänder bis hin zu Lack und Leder ist alles dabei. Jeder Charakter wird gekonnt in Szene gesetzt, ohne jemals übertrieben oder lächerlich zu wirken.

Die Drehbühne erlaubt schnelle Wechsel hinter die Kulissen des Clubs. Dort befindet sich Georges und Albins Wohnung. Eindeutige Kunstwerke schmücken den Raum und erhalten so den Eindruck eines nicht ganz gewöhnlichen Heims.

LaCage_02Uwe Kröger spielt in diesem Stück die Rolle des Albin, der gleichzeitig als Zaza im Club auftritt. Ihm gelingt schauspielerisch der perfekte Balanceakt zwischen beiden Persönlichkeiten. Mit Charme und Witz vermag er sein Publikum einzubeziehen und sorgt immer wieder für den einen oder anderen Lacher. Seine Darstellung wirkt dabei immer echt und rutscht niemals ins Übertriebene ab. Gesanglich bleibt Kröger leider weit hinter den Erwartungen zurück. Seine Stimme klingt vor allem in höheren Lagen nasal und gepresst. Ihr fehlt das Volumen und vielfach auch die Treffsicherheit der Töne. Dennoch ist er als Albin / Zaza ideal besetzt und lebt seine Rolle in allen Facetten. Ein wahrer Genuss, der den ein oder anderen schiefen Ton schnell vergessen lässt.

Dieter Landuris ist das perfekte Pendant und besonders als Moderator sehr präsent. Auch seine Interaktion mit dem Publikum wirkt keineswegs steif oder unnatürlich. Gesanglich liefert er eine solide Leistung, die sich nicht verstecken muss.

Für viel Unterhaltung sorgt auch Bryan Rothfuss mit seiner Verkörperung des Butlers Jacob, der sich eher als Zofe fühlt und selbst von einer großen Bühnenkarriere träumt.

Überraschung des Abends ist Bettina Weichert in der Rolle der Jacqueline. Durch ihr gesangliches und darstellerisches Können wäre sie in einer größeren Rolle sicher schnell zum Star des Abends avanciert. Als Restaurantchefin agiert sie souverän mit Uwe Kröger, muss sich aber gesanglich deutlich zurücknehmen um ihn nicht zu stark zu übertreffen.

LaCage_01Obwohl bereits 1973 uraufgeführt, kommt La Cage Aux Folles in Dresden keineswegs verstaubt daher. Vielmehr ist es eine moderne Inszenierung, die jede Menge Aktualität besitzt. Eine Hommage an die Regenbogenfamilie, die vielleicht auf diese Weise auch zum Nachdenken anregt und mit Vorurteilen aufräumen kann. Das Publikum ist begeistert und würdigt die Vorstellung einen Abend nach der Premiere mit langem Applaus und Standing Ovations.

„Wir sind, was wir sind“ ist das Motto des Stücks, dass mit seiner Handlung ein Zeichen für Offenheit und Toleranz setzt. Auch Sohn Jean-Michel muss am Ende erkennen, dass er stolz und dankbar für seine Familie sein kann und sich keineswegs dafür schämen muss.

Am Ende steht eine klare Empfehlung für das Stück. Es bleibt zu hoffen, dass diese Inszenierung auch weiterhin so großen Anklang findet, wie die von uns besuchte Vorstellung am 30. Januar 2016.

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