Unterm Strich eine großartige Produktion – “The Life” in Frankfurt

Photos by Martin Kaufhold

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Dort wo die Reichen und Mächtigen leben, tummeln sich die Prostituierten irgendwann auch. So auch in New York, wie uns das Musical “The Life” bildgewaltig beibringt und zum nachdenken anregt. Wir waren für Euch am 15. November vor Ort im English Theatre Frankfurt.

Unweit von Frankfurts Bahnhofsviertel erzählt “The Life” mit der Musik von Cy Coleman und dem Buch von David Newman (Book) und Ira Gasman (Lyrics) die Geschichte der Prostituierten Queen (Ngozi Ugoh), die sich mit dem Liebeshandel nicht nur den Lebensunterhalt verdient, sondern auch ihren Traum verwirklichen will, dem namensgebenden Leben zu entfliehen.

Eines Tages stellt sie mit Erschrecken fest, dass ihr Freund Fleetwood (Samson Ajewole) einen Großteil ihres hart erarbeiteten Geldes für seine Drogensucht entwendet hat. Dies führt sie in einer langen Verkettung von Ereignissen in die Arme von Zuhälter Memphis (Cameron Johnson), der seine ganz eigenen Pläne mit Queen hat. In dieser Geschichte, die immer wieder die Abgründe und Motive der einzelnen Charaktere aufzeigt, scheint ein Happy End fast ausgeschlossen.

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Die rasante Handlung wird von eingängigen Ohrwürmern und starken Darstellern getragen. Allen voran Claudia Kariuki, die durch ihr enormes schauspielerisches Talent in ihrer Erzählerfunktion als Sonja – die alte “Häsin” im Prostituiertengeschäft – schnell zum Publikumsliebling mutiert. Samson Ajewole als Fleetwood und Ngozi Ugoh als Queen funktionieren im Zusammenspiel hervorragend und bringen jede kleine Wendung nachvollziehbar und emotional über die Bühne. Cameron Johnson spielt seine Rolle des aggressiven Zuhälters Memphis so beängstigend gut, dass seine alleinige Bühnenpräsenz Songs wie “Don’t take much” zu wahren Glanzstücken der Produktion werden lässt. Das ist wohlmöglich auch seiner beeindruckenden Körpergröße zuzurechnen, denn er überragt alle anderen Darsteller um mindestens einen Kopf. Hannah Cadec vollführt in ihrer Rolle als Prostituierten-Neuzugang Mary eine beeindruckende Verwandlung vom scheuen Mädchen vom Lande zur rücksichtslosen Karriere-Dirne. Bis in die kleinsten Rollen perfekt besetzt ist dieses Musical durch die Darstellerinnen Victoria Anderson als Gretchen, Siobhan Athwal als Carmen, Rosalind James als Mercedes und Charlie Johnson als Tracey. Tom Hargreaves und Jordan Laviniere als der opportuinistische Drogendealer JoJo und Dante, sowie Newtion Matthews als humorvoller Barkeeper Lacy komplettieren das Ensemble.

Das Bühnenbild besteht aus verschieden angeordneten Leuchtröhren, die raffiniert je nach Szene bewegt werden und so eigene Räume bilden. Links befindet sich ein in Schieflage gerutschtes Leuchtschild mit dem Schriftzug “Amour”, wobei das R nur angedeutet wird. Rechts wird je nach Szene eine Treppe oder Bar eingeschoben, beziehungsweise mit einem weißen Vorhang neue Räume dargestellt. So zum Beispiel bei der Szene von Memphis Schlafzimmer oder dem Striptease von Mary vor einer Menge hinter der Schattenwand. Es ist wirklich beachtlich, was Regisseur Ryan McBryde hier für eindrucksvolle Bildgewalten spinnt, die von den rasanten Choreographien von Gary Lloyd abgerundet werden.

Unterm Strich – welch entzückendes Wortspiel – bleibt zu sagen, dass sich ein Besuch im English Theatre Frankfurt auf jeden Fall lohnt, da man hier ein viel zu selten gespieltes Musical in Originalsprache und raffinierter Inszenierung von Regisseur Ryan McBryde geboten bekommt.

Infos u. Karten gibt es HIER

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