1956 Uraufgeführt gehört My Fair Lady zu den immer wieder gern gespielten Klassikern des Musicals. Wohl kaum jemandem dürfte das Stück unbekannt sein. Das Deutsch-Sorbische Volkstheater hat sich entschieden, zum 20. Theatersommer diesen Klassiker auf die Bühne zu bringen und präsentiert My Fair Lady – frisch, frech und vor allem anders! Am 25. Juni war Premiere. In insgesamt 34 Vorstellungen haben die Zuschauer die Gelegenheit, ein altbekanntes Stück in anderem Gewand zu erleben.
Das Besondere an der Bautzener Produktion: Sie nimmt auf äußerst charmante Weise sächsischen Dialekte und Mundarten aufs Korn. Lutz Hillmann, Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters, hat das Stück für Bautzen adaptiert. So wurde nicht nur die Handlung nach Bautzen und Dresden verlegt, sondern auch die Sprache regional angepasst. In Bautzen spricht Eliza Oberlausitzer Mundart – oder Äberlausitzer Sproche. Statt „Wäre das nicht wundaschön“, heißt es jetzt „Wäre doas ne wunderbar“.
Und das ist es. Vom ersten Ensemble-Song an geht das Publikum mit, klatscht im Takt zur Musik und lacht über die eingebauten Scherze. Erwähnt werden müssen die durchweg wunderbaren Kostüme, die sich mit denen größere Produktionen und Theater durchaus messen können. Auch das Bühnenbild ist mit viel Liebe zum Detail umgesetzt und ebenso schön, wie genial. Eindrucksvoll zeigt es die einzelnen Schauplätze und erlaubt durch ein drehbares Mittelteil und wechselnde Seitenwände schnelle Szenenwechsel.
Mirko Brankatsch, der in Bautzen die Rolle des Henry Higgins verkörpert, zeigt sich als talentierter Schauspieler mit einer soliden Gesangsleistung. Glaubhaft spielt er den überheblichen und egoistischen Sprachwissenschaftler Higgins, der dem Gossenmädchen Eliza Dulitsch, gespielt von Fiona Piekarek-Jung, Hochdeutsch beibringen will, um sie auf dem Diplomatenball als Dame von Welt auszugeben. Rainer Gruß ist ein sehr sympathischer Oberst Pickering, der gut mit Brankatsch harmoniert. Auch Istvan Kobjela, im Stück der etwas tollpatschige Verehrer von Eliza, Freddy Niesholz-Berg, bringt das Publikum zum Schmunzeln.
Besonders in Erinnerung bleibt, neben den Hauptdarstellern, aber Olaf Hais als Vater von Eliza. Mit viel Witz spielt und singt er nicht nur, sondern versteht es auch das Publikum mitzureißen. Ein Highlight der Produktion sind die Ensemblenummern. Ausgefeilte Choreographien übertragen den Schwung von der Bühne aufs Publikum und heizen die Stimmung an. Ute Raab versteht sich darauf, Tänze zu zeigen, die auch das Publikum zum Mitmachen anregen.
Ein sehr sehenswerter Bonus ist die Ausstellung zu den vorangegangen 19 Jahren Theatersommer im Burgtheater, welche in der Pause besucht werden kann. Hier können Zuschauer die letzten Jahre noch einmal Revue passieren lassen und Kostüme und Requisiten bewundern. Zusätzlich dazu hat das Publikum die Chance, einmal selbst auf der Bühne zu stehen, denn dort werden während der Pause Erfrischungen ausgeschenkt. Ein hübscher Zusatz, der dem Publikum das Stück noch näher bringt.
Mit viel Spaß geht dieser Abend über die Bühne und vergeht wie im Flug. Auch wenn anfangs noch ein wenig Premierenfieber spürbar ist, steigern sich die Darsteller im Laufe des Stücks und laufen am Ende zu Hochform auf. Dass nicht jeder Ton perfekt sitzt, wird dabei unwichtig. Das Publikum ist begeistert. Lang anhaltender Applaus und ein Feuerwerk beenden die erste Vorstellung dieser gelungenen Inszenierung. Die Wettergötter sind den Bautzener hold geblieben und am Strahlen der Darsteller ist deutlich zu erkennen – viel besser hätte der Abend nicht verlaufen können. Eine sehr schöne Eröffnung des 20. Theatersommers, eine tolle Produktion zum Jubiläum auf die hoffentlich viele weitere folgen.
Ein Stück für Jung und Alt, für Sachsen und Nicht-Sachsen, mit ganz besonderem Charme!
Bis zum 2. August läuft das Stück noch und wer die Gelegenheit hat, sollte sie sich nicht entgehen lassen. Alle Infos, sowie Karten gibt es unter: http://www.theater-bautzen.de/
Also auf nach Bautzen zu einem einmaligen, ganz besonderen Theatersommer 2015!




